Ein Tag in der Havana Soup Kitchen

Mittlerweile arbeite ich schon mehr als 2 Wochen in der Havana Soup Kitchen und bin echt begeistert.

Aber erstmal von vorne, unser Tagesablauf:

Unser Weg zur Suppenküche
Ab 6:15 Uhr heißt es aufstehen, frühstücken und fertig machen. Mittlerweile haben Sophia, meine Mitfreiwillige im Projekt,  und ich unseren eigenen „Soup Kitchen-Kleidungsvorrat“, aus dem wir uns jeden Tag bedienen. Denn wir müssen davon ausgehen, dass alles in jeglichen Variationen dreckig werden kann.

Um 7:30 Uhr erwartet uns unser Stammtaxifahrer Natangwe, der bereits unsere Vorfreiwilligen Lena und Klara zur Arbeit gebracht und sie von dort auch wieder abgeholt hat. Wir haben in diesem Fall die „Glückskarte“ gezogen, denn die anderen Freiwilligen, die in den Schulen arbeiten, müssen schon um 6:30 Uhr das Haus verlassen, da die Schule hier schon um 7:00 Uhr beginnt. Wir verstehen uns sehr gut mit Natangwe und sind froh, einen so zuverlässigen Fahrer zu haben, sodass wir nicht mehr morgens stets aufs Neue ein Taxi finden müssen, das uns nach Havana fährt. Öffentliche Verkehrsmittel, die uns in das Armenviertel, in dem sich die Suppenküche befindet, bringen könnten, gibt es nicht.

Man müsste mehr Arme, Hände und Schöße haben!
Je nach Verkehr sind wir meistens gegen Viertel vor 8 Uhr in der Soup Kitchen, wo uns nicht nur die Köchin Memmeunique schon erwartet. Sobald wir aus dem Taxi aussteigen, werden wir von „unseren Kindern“ empfangen, die schreiend auf uns zurennen und unsere Ankunft den anderen mit „Teachers coming“ mitteilen. Nun heißt es erstmal, jedes Kind ausführlich zu begrüßen, zu umarmen, zu kuscheln oder auf den Arm hochzunehmen. Teilweise ist es wirklich schwer, jedem Kind gleich viel Aufmerksamkeit zu schenken, da wir rund 40 Kinder derzeit in der Soup Kitchen haben.

Die Geste ist eindeutig: Ich will auch auf den Arm!

Und nun gilt es, eine Entscheidung zu treffen: Setzen wir uns auf den Boden und riskieren wir, dass innerhalb der nächsten 10 Sekunden unsere Beine von mindestens 5 Kindern „besetzt“ werden? Oder bleibt jeder von uns stehen, nimmt ein Kind auf den Arm und wird aber gleichzeitig von einem Kreis an Kindern „umzingelt“, die ja auch alle auf den Arm wollen? Die eingeschlafenen Beine und den ständigen Muskelkater in den Oberarmen nehmen wir aber gerne in Kauf, denn diese Zuneigung und Offenheit der Kinder ist so ehrlich und die Kinder sind uns so sehr ans Herz gewachsen. Die spontane Zuneigung und Freude, die uns hier entgegengebracht wird, gibt uns so viel zurück.

Frieda
Mittlerweile ist Frieda, die Leiterin der Suppenküche,  angekommen – Frieda, eine der herzlichsten und liebevollsten Personen, die ich je kennengelernt habe. Sophia und ich haben uns sofort in ihrer Nähe wohl gefühlt. Frieda meinte, wir könnten jederzeit zu ihr kommen, wenn es uns schlecht geht oder wenn wir über Dinge reden wollen, mit denen wir hier auf irgendeine Weise nicht klarkommen. Sie gibt uns das Gefühl, dass sie immer für uns da ist.

Hygiene mit der Wasserkanne
Gegen 9 Uhr müssen die Kinder die Hände waschen. Vor den Mahlzeiten – sowohl Frühstück als auch Mittagessen – müssen sie sauber sein. Es ist Frieda sehr wichtig, ihre Schützlinge auch ein wenig in Sachen Hygiene zu erziehen. Da wir kein fließendes Wasser in der Soup Kitchen haben, waschen wir die Hände mit einer Wasserkanne über einer Schüssel. Bis alle Hände sauber sind, bekommen unsere Klamotten häufig ebenfalls eine unfreiwillige Wäsche dazu.

Unterricht – manchmal bin auch ich Schüler
Nachdem wir eine Vielzahl von gefüllten Tellern fürs Frühstück ausgegeben haben und alles aufgegessen wurde, haben die Kinder bis ca. 10 Uhr, bis die „Class“ beginnt, Zeit zu spielen. Unter „Class“ versteht man den Unterricht, der aber deutlich anders ist als der Unterricht, den man aus Deutschland kennt. Dies liegt zum einen daran, dass die Kinder zum Teil sehr jung sind (ab 3 Jahren). Zum anderen ist Englisch hier für die Kinder Zweitsprache, da alle in ihren Stammessprachen (die meisten sind Oshivambo) sprechen. Das heißt für Frieda, dass sie manches auch auf Oshivambo erklären muss, damit alle es verstehen. Für Sophia und mich macht dies das Unterrichten ab Januar, wenn jeder von uns Dreien (Sophia, Frieda und ich) für eine einzelne Gruppe zuständig sein wird, deutlich anspruchsvoller. Frieda bringt uns beiden aber immer mehr Ausdrücke in dieser Sprache bei, wie zum Beispiel „Entschuldige dich“ („Tja omibili“).

Singen in allen Sprachen
Oft singen wir – die Kinder haben eine große Anzahl an Liedern in verschiedenen Sprachen, die sie singen können: von der namibischen Nationalhymne über „If you’re happy and you now it“ bis hin zu „Auf der Mauer, auf der Lauer“. Wir haben auch ein Lehrbuch mit vielen Themen (wie Farben, Formen, Krankenhaus), die wir mit den Kindern behandeln sollen. Wichtig dabei ist, dass man dies sehr spielerisch und abwechslungsreich gestaltet, denn oft ist ihre Aufmerksamkeitsspanne nur sehr kurz.

Zur „Class“ gehört auch das Zähneputzen, jedes Kind hat seine eigene beschriftete Zahnbürste. Zähne werden auf dem Außenbereich hinter der Soup Kitchen geputzt , denn Waschbecken gibt es nicht. Von 11 bis kurz vor 12 Uhr können die Kinder nochmals spielen, dann heißt es wieder Hände waschen und dann Mittagessen. Nach dem Mittagessen gehen die Kinder (meistens) nach Hause. Wie in einer Familie werden wir aber immer von einigen Kindern bis zu der Stelle begleitet, wo uns unser Taxifahrer abholt.

Kinder machen glücklich, aber auch müde
Wieder Zuhause in unserer Wohnung angekommen sind wir Zwei oft fix und fertig, denn die Arbeit in der Soup Kitchen ist körperlich deutlich anstrengender, als wir zuvor vermutet haben und ich es während meines Praktikums im Kindergarten  kennengelernt habe. Erschöpft sinken wir abends in unsere Betten, freuen uns aber schon auf den kommenden Tag in der Soup Kitchen.

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